Sonja zu Gast im Radiokolleg auf Ö1
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Ueber Nacht ist es Herbst geworden. Die Temperaturen sind deutlich kaelter, die Blaetter an den Aspen haben sich goldgelb verfaerbt und alle Farben erscheinen intensiver. In das Gruen der Landschaft mischen sich nun auch Gelb- und Rottoene, sogar der Himmel scheint blauer zu sein. Die letzte Nacht war kalt, eiskalt. Am Morgen war alles mit einer Eisschicht ueberzogen, der Boden war gefroren und sogar das Wasser in der Faltschuessel war mit einer dicken Eisplatte bedeckt." Diese Zeilen schrieb ich vor 14 Tagen in mein Tagebuch, als wir von Buena Vista losritten. In der Zwischenzeit ist der Herbst mit aller Kraft und Schoenheit ueber das Land gekommen, doch mit ihm auch ein lebhafter Wind und die Kaelte. Lange werden wir mit den Pferden nicht mehr unterwegs sein koennen, zumindest nicht in diesen Hoehen - wir sind immer noch auf etwa 3.500m Hoehe unterwegs. Nicht nur das Wetter, auch die Landschaft hat sich auf unserer letzten Etappe stark veraendert.

 Sanfte Huegel, Wiesen und Waelder haben die steil aufragenden Berge verdraengt, trotzdem sind wir immer noch auf 11.000 - 12.000 Fuss unterwegs. Die letzte Etappe war gepraegt von Pferdesuchen, Mountain- und anderen Bikern, der Jagdsaison und ein paar wenigen dafuer aussergewoehlnlichen Wanderern. Von Buena Vista ritten wir nach St. Elmo, einer Geisterstadt. So sollten amerikanische Staedte heute noch aussehen, dann wuerden wir auch mit den Pferden hinein passen: Alte Holzhaeuser, wie man sie aus Wild-West Filmen kennt, Schotterstrassen, keine Autos und keine Menschen. Waere doch der Salon noch in Betrieb, wir koennten die Pferde davor anbinden und auf ein kuehles Bier gehen. So aber ritten wir weiter zum malerischen Hancock Lake. Ein Stueck der Strecke mussten wir auf einer Schotterstrasse zuruecklegen, die wohl auch bei Quad (das sind so "All-Terrain-Vehicle) Fahreren beliebt ist. Diese merkwuerdigen, lauten Dinger machten mich nervoes, die Pferde blieben zum Glueck total cool. Wir liessen die Schotterstrasse aber bald hinter uns und stiegen ueber alpine Tundra und Schuttfelder - die Trittsicherheit der Pferde fasziniert mich immer wieder - hinauf zur Passhoehe, auf der anderen Seite wieder hinunter, nur im gleich wieder steil bergauf zu gehen. Ich liess mich mal wieder an Rustys Schweif hochziehen. Wir kamen an einem Schild vorbei, in dem wir darauf hingewiesen wurden, dass wir uns in Baeren-Gebiet befinden. Das nahm Guenter zum Anlass, um abends das Futter bearensicher zu verstauen. Dazu befestigte er einen Stein am einen Ende des Seils, um es dann wie Fred Feuerstein ueber einen Baum zu schwingen. Leni und ich gingen in Deckung. Es war ein besonders schoener Lagerplatz unter Baeumen am Rand einer saftigen Wiese, doch so toll, dass wir gleich drei Naechte bleiben wollten, war er dann auch wieder nicht. Na ja, manchmal machen einem halt die Pferde einen Strich durch die Rechnung. In diesem Fall beschlossen sie am Morgen, als wir grad unseren Kaffee im Zelt tranken, da die ersten Schneeflocken fielen, ohne uns aufzubrechen. Jeder menschlichen Logik zum Trotz verliessen sie die guten Futterplaetze und kletterten - wie wir 36 Stunden spaeter herausfinden sollten - einige hundert Meter steil empor, um dort ein paar magere Grashalme zu fressen. Die Suche war schwierig, da ausser unseren Pferden auch andere Reiter unterwegs waren, und die Hufspuren Guenter zunaechst zu einem Korall mit vier anderen Pferden, und dann zu den Ueberresten eines Hirsches fuehrten. Es ist Jagdsaison und auch die Jaeger transportieren ihre Beute mit Pferden ab. Unterwegs trafen wir einige Jaeger, unter anderem auch Bogenschuetzen. Unglaublich, dass es wirklich noch Menschen gibt, die mit Pfeil und Bogen losziehen ihre Beute zu erlegen! Dann kam der Tag der Mountainbiker. An den meisten Tagen treffen wir niemanden, manchmal einen Jaeger oder Wanderer. Doch am 15. September sollten wir gezaehlten 120 Mountainbikern begegnen. Ihr koennt Euch vorstellen, was unsere Pferde davon gehalten haben! Staendig mussten wir ausweichen. Azabache, der an diesem Tag als Packpferd frei lief, wich zumeist auch brav aus. Einmal aber, als einen besonders grosse Gruppe Biker kam, blieb er einfach stur am Weg stehen. Die Biker mussten absteigen und ihre Raeder um das Pferd herum schieben. "Recht hat er", dachte ich mir schadenfroh. Am naechsten Tag kam es dann noch schlimmer. Wir waren auf einem schmalen Waldweg unterwegs. Tiefe Reifenspuren im feuchten Waldboden hatten uns ja schon vorgewarnt, dann hoerte ich ploetzlich Motorengeraeusche hinter mir. "Guenter, sie kommen!" 5 Dirtbikes kamen durch den Wald gebraust. Ich konnte ihnen gerade noch Zeichen geben, dass sie stoppen sollten, dann kaempften wir uns in den dichten, steilen Wald, um sie vorbei zu lassen. Das ist der Nachteil der National Forests, in diesen Gebieten ist jede Form der Erholung (!) erlaubt. Zwei Tage davor waren wir ueber den Monach Pass geritten. Auch dort mehr als deutliche Zeichen menschlicher Aktivitaet: wir ritten durch ein Schigebiet, das im Sommer einfach trostlos wirkt. Wie mit Rasierklingen kahl geschoren glaenzen die Pisten unnatuerlich aus den bewaldeten Huegeln hervor, Liftanlagen wirken wie vergessene Ueberreste einer anderen Zeit, riesige Schneeauffanganlagen pfeifen im Wind un ddie Pistenmarkierung wirkt verloren. Colorado ist nunmal ein beliebtes Wintersportgebiet, die Spuren davon kann man im Sommer leider deutlich sehen. Noch gibt es grosse Flaechen unberuehrter Natur, aber Wintersportgebiete wie Vail, Breckenridge oder Aspen dehnen sich auch hier immer weiter aus. Der 17. September war ein Regentag, wie wir hier glaub ich noch keinen vorher erlebt haben. Wir blieben einfach den ganzen Tag im Zelt. Abends, es war schon seit ueber einer Stunde dunkel, hoerten wir ploetzlich eine Stimme: "Don't worry, I'm just a hiker." Frances erzaehlte, dass er im Fruehjahr an der mexikanischen Grenze aufgebrochen, zur kanadischen Grenze gewandert war und jetzt wieder zurueck nach Mexiko geht. 35-40 Meilen legt er im Durchschnitt am Tag zurueck. Zwei Tage spaeter trafen wir Andi. Er war vor 7 Monaten am Grand Canyon aufgebrochen, zum Pacific Crest Trail gewandert, diesem an die kanadische Grenze gefolgt, dann nach West zum Glacier NP und geht nun ueber den CDT wieder nach Sueden und zurueck zum Grand Canyon. Auch er hiked 35-40 Meilen am Tag. Beide Wanderer liessen uns staunden zurueck. Wir im Gegensatz dazu bewegen uns im Tempo der Nomaden, langsam und gemuetlich. Unsere Tagesetappe liegt zwischen 10-20 Meilen am Tag, je nachdem was uns unterwegs so passiert. Dafuer haben wir Zeit auch die kleinen Dinge am Wegesrand zu bewundern, in der spaeten Nachmittagssonne Kaffee zu trinken und den Pferden beim Grasen zuzusehen. Trotzdem haben Freddy, Andi und wie sie alle heissen etwas mit uns gemeinsam, wir alle sind hier heraussen und geniessen die Natur. Am 24. September erreichten wir Creede, ein bezauberndes Staedtchen im Sueden der La Granita Wilderness. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen, in diesem Dorf scheinen nur hilfsbereite und freundliche Menschen zu leben. Creede lebte einst vom Bergbau und hat daher einen schoenen historischen Stadtkern. Noch heute kann man in den umliegenden Canyons die Ueberreste der alten Minen sehen.

 

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Günter Wamser und Sonja Endlweber

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Barbara Kohmanns
Büro Abenteuerreiter

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