Es muss nicht immer Kanada sein – aber hin und wieder eben doch.
Wenn der Ruf in mir zu laut wird.
Für mich fühlt es sich an wie Heimweh: diese Sehnsucht nach der Wildnis, der unberührten Natur und der einsamen Weite Kanadas. Und nach unseren Freunden dort, die uns immer wieder ein Zuhause geben.
Also machten Günter, Charlie und ich uns gemeinsam auf den Weg nach Kanada.
Später im Sommer würde Günter mit unseren Gästen in die Wildnis der Northern Rocky Mountains reiten. Doch vorher wollten wir alte Spuren wieder aufnehmen, vertraute Lagerplätze neu entdecken und neue Pläne schmieden.
Von Karl, unserem kanadischen Partner, konnten wir uns zwei Pferde – Hank und Rocky – leihen. Dazu kam Lilly, ein Maultier.
Während Hank und Rocky alte Hasen auf dem Trail sind, war für unser Lilly vieles neu. Fasziniert beobachtete sie die wilde Natur um sich herum aus ihren großen Augen.
Man sagt, Maultiere seien trittsicherer und weniger schreckhaft als Pferde. Doch Geduld gehört zumindest nicht zu Lillys hervorstechenden Eigenschaften.
Kaum blieben wir ein paar Minuten stehen, drehte Lilly einfach um und lief zurück. Natürlich dauerte es nie lange, bis ihre langen Ohren wieder zwischen den Büschen auftauchten. Allein durch die Wildnis wollte sie dann doch nicht laufen – und weder Hank noch Rocky dachten auch nur daran, ihr zu folgen.
Auch mit der vielgerühmten Trittsicherheit war es nicht weit her. Schon bei der ersten kleinen Bachquerung stolperte Lilly, fiel ins Wasser und blieb einfach liegen.
Ich erschrak.
Doch es brauchte nicht mehr als ein liebevolles „Hopp, weiter geht’s“ von Günter, um Lilly wieder auf die Beine zu bringen.
Und dann ging es weiter – als wäre nichts gewesen.
Unsere Reise führte uns durch den Norden des Jasper Nationalparks und die Willmore Wilderness – ein Gebiet, das uns bereits 2010 auf unserer Reise nach Alaska fasziniert hatte.
Natürlich fehlten uns Dino, Azabache, Rusty und Lightfoot.
16 Jahre waren wir gemeinsam unterwegs gewesen. Rund um die Uhr, monatelang, durch die Wildnis. Ein so eingespieltes Team wie unsere vier Helden werden wir wohl nie wieder haben.
Trotzdem habe ich es genossen, wieder wochenlang mit Pferden durch die Wildnis zu ziehen, ohne einem Menschen zu begegnen.
Es ist genau dieses einfache Leben, das ich so liebe.
Und nicht nur ich, wie es scheint.
Mitte Juli holten wir am Flughafen in Fort St. John fünf abenteuerlustige Menschen ab – die erste von zwei Gruppen, die in diesem Sommer mit uns auf Trekkingreise gehen würden.
Zwei Tage später ritten sie gemeinsam mit Günter und Karl hinein in die Wildnis der Northern Rocky Mountains.
Ein bisschen neidisch sah ich ihnen nach. Ich wusste, welch einmalige Erfahrungen sie erwarteten.
Auch Charlie winselte. Auch sie wollte mit.
Dabei waren wir gerade ihretwegen zurückgeblieben. Denn 20 Pferde und 80 Hufe waren einfach zu viel für unsere Hündin – zu groß war die Gefahr, dass ihr jemand versehentlich auf die Pfoten trat.
Ich tröstete Charlie. Auch wir hatten wunderschöne Wochen vor uns: mit Zelt und Rucksack in den Bergen und als Gäste bei lieben Freunden.

















