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Sailing - an attempt

Nach vielen Jahren unterwegs mit Pferden, wollte ich nochmals etwas ganz Neues wagen, eine neue Lebensart entdecken. Schon seit Jahren träumte ich von einer Weltumsegelung mit dem eigenen Boot. In Österreich kaufte ich ein Segelboot für gerade mal 6.000 €. Es war zwar schon über 40 Jahre alt, aber auch schon mal um die Welt gesegelt. Das Boot hatte also Erfahrung, ich dagegen war kompletter Anfänger.

Kann ich als Anfänger um die Welt segeln?

Ich bin überzeugt, wenn du etwas wirklich willst, entsprechend motivierst bist, dann findest du einen Weg dir auch in relativ kurzer Zeit das notwendige Wissen anzueignen.

Jetzt wollte ich herausfinden, ob mir das Leben auf dem Wasser überhaupt taugt und fuhr von Österreich über die Donau, Main-Donau Kanal, Main und Rhein, Mittellandkanal und weitere Kanäle bis zur Ostsee. Fürs Segeln lernen selbst blieb mir aber auf der Ostsee keine Zeit, denn die schönste Jahreszeit, den Sommer, wollte ich mit Sonja und unseren Pferden in Kanada verbringen. Daran würde sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Die Ostsee würde daher immer in Konkurrenz stehen zu Kanada. Warum nicht in die Karibik?

Für Sonja stand von vorn herein fest: Segeln? Nein, das ist nicht ihr Ding, da macht sie nicht mit.

Ich fuhr das Boot wieder über die Wasserwege in den Süden, in meinen Heimatort, in der Nähe des Main, um es zu überholen. Wenn man ein altes Boot kauft, dann kauft man auch viel Arbeit. Das hat aber den Vorteil, dass man sein Boot in und auswendig kennen lernt – im wahrsten Sinn des Wortes.

Mein Boot sollte auch einen neuen Namen bekommen: „Rebelde & Gaucho“ in Erinnerung an meine argentinischen Pferde.

Im nächsten Frühjahr ging es über den Main, Rhein und Mosel nach Frankreich, und weiter über Kanäle und Flüsse, wie die Saone und Rhone, ins Mittelmeer.

Ab hier begleitete mich Dani, ein Freund und vor allem ein erfahrener Segler. Gemeinsam wollten wir bis nach Barbados in der Karibik segeln.

Warum nur hatte ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen?

Starker Ostwind fegte uns vorbei am Felsen von Gibraltar hinaus in den Atlantik. Zu dieser Zeit war ich noch alles andere als seefest. Ich lag zusammengekrümmt am Boden unseres Cockpits, mir war speiübel und ich fragte mich, warum nur hatte ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen. Doch noch am selben Abend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, fand ich mitten auf dem Atlantik die Antwort auf meine Frage.

Ich konnte gar nicht begreifen, was ich da sah. Es war so völlig fehl am Platz. Mitten am offenen Meer schaukelte ein kleines Schlauchboot. Immer wieder wurde es von den Wellen verschluckt, dann tauchte es wieder am Wellenkamm auf, und ich sah Arme, die sich bewegten.

Wir nahmen die beiden Schwarzafrikaner an Bord. In ihrem kleinen Schlauchboot hatten sie nichts - kein Wasser, keine Lebensmittel, keine Paddel. Hätten wir sie nicht gefunden, wären sie weiter aufs offene Meer getrieben und verdurstet oder ertrunken.  

Die Übergabe an die Seenotretter bei vier Meter hohen Wellen war für uns alle lebensgefährlich. Das Rettungsboot tastete sich langsam von Backbord heran, stampfte hoch und runter, Gischt spritzte. Immer wieder musste es abdrehen, einen neuen Versuch starten. Bei einem Zusammenstoß mit dem Stahlschiff wäre unserer kleinen Nussschale zerbrochen. Die Flüchtlinge sprangen von einem Boot ins andere - unter Einsatz ihres Lebens - es gab keine andere Möglichkeit.

Das Manöver glückte, mir zitterten die Knie, dass ich kaum mehr stehen konnte. Erst jetzt wurde uns bewusst, was gerade passiert war. Die Rettungsaktion hatte auch uns in Lebensgefahr gebracht. Ein Knistern im Funkgerät, dann meldet sich die Seenotrettungstelle von Tarifa und bedankte sich für unsere humanitäre Hilfe, dann war es still.

Dani und ich saßen im Cockpit, begannen das Chaos zu ordnen.  Unfassbar, welches Risiko Menschen eingehen, auf der Suche nach einem neuen Leben. Wie verzweifelt müssen sie sein.

Auf meinen Reisen hatte ich immer sehr viel Glück. Das Schicksal hat es immer gut mit mir gemeint. War ich in Not, war zur richtigen Zeit, am richtigen Ort jemand da, um mir zu helfen. War das nun meine Berufung zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein? War das der Sinn dieser Segelreise?

Leidenschaft oder die Bereitschaft zum Leiden.

Ab Teneriffa kam Danis Sohn Manuel an Bord. Zu dritt segelten wir über 20 Tage nach Barbados. Die ganze Reise über war ich seekrank. Das Wort Leidenschaft bekam jetzt eine andere Bedeutung: es wird zur Bereitschaft zum Leiden. Viele erfahrene Segler haben mit Seekrankheit zu kämpfen. Doch normalerweise legt sich die Seekrankheit nach den ersten Tagen eines Törns.

Ich war wohl auch selbst schuld. Seit zig Jahren nehme ich keine Medikamente, auch keine gegen Seekrankheit. Ich suchte eine neue Lebensart und hatte nicht vor, mich für den Rest meines Lebens zu dopen. Mein Körper sollte selbst damit zurechtkommen. Diese Zeit wollte ich ihm geben, auch wenn ich mittlerweile litt wie ein Hund.

In Barbados gingen Dani und Manuel von Bord. Ich bin den beiden unendlich dankbar, dass sie mich begleitet haben, ohne sie hätte ich die Fahrt nicht überstanden.

In der Zwischenzeit war ich keineswegs mehr davon überzeugt, dass ich mit dem Leben auf dem Wasser meine neue Lebensart finden werde, aber ich wollte noch nicht aufgeben. Zumindest nach Kuba wollte ich noch segeln, danach würde ich mich entscheiden.

Jetzt war ich noch mehr gefordert, denn ich segelte allein entlang der Inselkette der kleinen Antillen - Saint Lucia, Martinique, Dominica, St. Kitts, St. Martin und die Jungferninseln – und weiter zu den großen Antillen - Puerto Rico, Dominikanische Republik - nach Kuba.

Ich hatte mich damit abgefunden, dass Segeln nicht meine neue Lebensart wird. Doch zumindest bis Australien wollte ich noch segeln und dort das Boot verkaufen.

Nun begleitete mich Oli, ein Freund. Gemeinsam segelten wir von Kuba, nach Mexiko, Belize bis nach Panama, wo ich schweren Herzens Abschied nahm und mein Boot verkaufte.

Segeln fasziniert und begeistert mich. Das Spiel mit dem Wind, die Nutzung seiner Energie, aber auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen dieser Reise zu meistern und an ihnen zu wachsen. Doch zu oft stellte ich mir die Frage: „Was mache ich eigentlich hier?“ Eine Frage, die ich mir über all die Jahre, die ich mit Pferden unterwegs war, nicht ein einziges Mal gestellt hatte, egal welche Probleme oder Schwierigkeiten auftauchten.

Meine Pferde hatten mir immer wieder die Türen zu den Einheimischen geöffnet, das Boot hingegen, hat mir diese Türen verschlossen. Das ist mein persönliches Empfinden und sicherlich lag es auch an mir selbst.

Segeln als Lebensstil“ – warum hat es für mich nicht funktioniert?

Sicher hat es auch damit zu tun, dass ich mich nicht 100% darauf eingelassen hatte. Denn meine Pferde in Kanada sind immer noch das Wichtigste für mich.

Es hat eine Weile gedauert, aber schlussendlich habe ich es verstanden: auf dem Wasser bin ich nicht in meinem Element.

Es gehört Mut dazu, seine Träume zu leben, doch es gehört auch Mut dazu, ehrlich zu sich selbst zu sein, egal wieviel Energie und Geld man hineingesteckt hat, ehrlich zu sein und zu sagen, das ist nicht meine Welt. Wenn ich lange Zeit von etwas träume, besteht immer die Gefahr, dass die Realität nichts mit dem Traum zu tun hat. Dafür muss ich offen sein, das kann ich aber nur herausfinden, wenn ich es versuche.


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