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Alles begann an einem Abend im Zelt in Alaska. Wir lagen in unsere warmen Schlafsäcke gekuschelt und lauschten den Regentropfen. Leni, unsere Jack-Russel Hündin, schlief warm eingepackt zwischen uns. „Was möchtest du nächsten Sommer machen?“, hatte Günter mich gefragt, denn es war das letzte Jahr unserer Reise, noch in diesem Herbst würden wir unser Ziel erreichen. Ich zögerte. Nach all den Jahren in Nordamerika, wollte ich einfach einen Sommer zuhause verbringen. „Ich werde durch Österreich wandern“, antwortete ich. „Alleine?“, fragte Günter alarmiert. Ich musste lachen, zu deutlich spürte ich, dass er keine Lust hatte, mich zu begleiten. „Nein, natürlich nicht“, antwortete ich schmunzelnd. „Leni kommt mit. Außerdem werde ich einen Esel mitnehmen.“ „Einen Esel? Bist du dir sicher?“ rief Günter überrascht, doch nach kurzem Überlegen sagte er: „Na ja, das macht die Sache zwar nicht gerade leichter, aber sicherlich viel interessanter.“

 

Kaum zurück in Österreich stürzte ich mich in die Vorbereitungen meiner neuen Reise. Ich wollte keinen Esel kaufen und damit eine jahrzehntelange Verantwortung übernehmen. Ich wollte einen Esel leihen. Ich rechnete allerdings damit, dass es schwierig werden würde, einen Leihesel zu finden. Aus eigener Erfahrung wusste ich, wer sein Tier liebt, der borgt es nicht einfach her.

Ich knüpfte Kontakte zu Eselfreunden in Österreich und wurde zu Esel-Wanderungen eingeladen und lernte Vieles über die Eigenarten der Langohren. Die wichtigsten Unterschiede zum Reisen mit Pferden wurden mir schnell bewusst: Esel haben ein anderes Futterbedürfnis. Sie kommen mit sehr karger Kost aus. Frisches, saftiges Gras ist eine viel zu eiweißreiche Nahrung. Unterwegs würde ich immer wieder Heu für meinen Esel besorgen müssen. Der zweite große Unterschied ist das Fluchtverhalten. Esel sind zwar misstrauisch, aber nicht so schreckhaft wie Pferde. Haben sie vor etwas Angst, neigen sie eher dazu, zu verharren und die neue Situation zu erkunden. „Ein Esel denkt nicht nur nach, er denkt auch mit“, erklärte mir Karl aus Linz, während er seinem Großesel Pedro liebevoll die Stirn kraulte. „Er hat seinen eigenen Willen und tut das, was er für richtig hält und was ihm gut tut. Nur Menschen, die keine Ahnung von Esel haben, behaupten, der Esel sei störrisch.“ Karl und ich waren auf unserem Spaziergang an einem kleinen Bach angelangt, der mitten über den Weg lief. Esel mögen kein Wasser, das hatte ich bereits gelernt. Doch ohne zu Zögern marschierte Karl weiter und Pedro folgte ihm entspannt durch den Bach. Karl lachte: „Das war nicht immer so. Aber in all den Jahren haben Pedro und ich viel zusammen erlebt. Heute geht er mit mir durch Dick und Dünn.“

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