Die Reise hat einen Sinn ...

Guenter an Deck "Sonja, die Reise hat einen Sinn ..." hat Günter gesagt, als er mich gestern Nacht von der kleinen Insel La Garciosa anrief. Sieben Tagen waren Günter und Dani unterwegs gewesen, von Gibraltar bis in den Norden Lanzarotes. Ich war gespannt, welche Selbsterkenntnis Günter wohl während dieser Zeit auf dem offenen Meer gefunden hat, die der Reise einen Sinn geben würde. Doch als er dann erzählte, bekam ich Gänsehaut. Sie haben wahrscheinlich das Leben zweier Menschen gerettet.

Bei starkem Rückenwind waren Günter und Dani durch die Straße von Gibraltar hinaus in den Atlantik gesegelt. Und dort, etwa 10 Meilen südöstlich von Tarifa, entdeckte Günter ein kleines Schlauchboot mit zwei jungen Afrikanern, inmitten der hohen Wellen. Nach einigen Versuchen gelingt es ihnen, die Jungs an Bord zu nehmen. Sie füttern sie mit Steinpilz-Risotto und Tee. Günter funkt mit Tarifa Rescue, die versprechen, sofort loszufahren. Zwei Stunden später wird das kleine Segelboot von starken Scheinwerfern beleuchtet. Das Übergabemanöver ist schwierig und gefährlich: Bei Dunkelheit, 4 Meter hohen Wellen und Windstärke 5 zwei Boote so nahe zusammenzubringen, dass zwei Menschen von einem Schiff auf das andere springen können, ist schwierig und gefährlich. Irgendwann gelingt es aber. Die beiden sind in Sicherheit und Günter und Dani beginnen, ihr Chaos zu ordnen. Dann sitzen sie im Cockpit und trinken Whisky, zu aufgewühlt zum Schlafen. Vielleicht war ja das der Sinn ihrer Segelreise. Unglaublich, das Risiko, das diese Leute eingehen, auf der Suche nach einem neuen Leben! Sie hatten weder Ruder, noch Essen, noch Wasser dabei. Der starke Ostwind hätte sie schnellstens in den Atlantik hinaus geweht.