Tagebuch Rocky Mountains 31. Juli 2007

Am 22. Juni haben wir unsere Mustangs aus dem Gefängnis in Cañon City geholt. Seit diesem Zeitpunkt haben sie unseren Tagesablauf bestimmt. Früh morgens aufstehen, Pferde von der Weide holen, putzen, satteln, reiten, anschließend Pferde im Korrall trainieren, mittags vor der größten Hitze ins kühle Strohballenhaus flüchten, nachmittags wieder reiten, und weitere Übungen mit den Pferden machen. Manchmal wurde diese tägliche Routine unterbrochen, dann unternahmen wir längere Ritte. Einmal verbrachten wir neun Stunden im Sattel, eine gute Konditionsprobe für Pferde und Reiter! Nur ganz selten "gönnten" wir uns einen arbeitsfreien Tag, wie zum Beispiel um am Rodeo bei den Frontier Days in Cheyenne amerikanische Kultur zu genießen.
Wir sind zu Gast im gemütlichen Strawbale house bei unserer Freundin Gabriele Moritz, der Veranstalterin von Mustang Eco Tours. Das Haus liegt inmitten von Wald und Wiesen, und hier können wir in Ruhe unsere Pferde trainieren.

 

Am Trail soll jedes Pferd als Reit- und als Packpferd eingesetzt werden können. Bereits seit einigen Monaten sind unsere Pferde nun ununterbrochen zusammen, was den Vorteil hat, dass sie ein gutes Team bilden, allerdings den Nachteil hat, dass keines der Pferde gerne alleine losgeht. Aber auch das muss trainiert werden. Mit vielen Übungen und viel Zeit gewöhnten wir die Pferde an die Berührung durch Seile. Das Reitpferd darf nicht in Panik geraten, wenn der Führstrick des Packpferdes unter den Schweif gerät und das Packpferd muss an die lose herunterhängenden Seile beim Bepacken gewöhnt werden. Vorerst trainieren wir Dino und Lightfoot als Packpferde.

Wir gewöhnten sie zunächst an die Packsättel, dann an die leeren Packtaschen und schließlich langsam auch daran, dass sie Gepäck tragen müssen und dass von diesem Gepäck eigenartige Geräusche ausgehen können. Unsere Pferde sind jung und noch sehr schreckhaft. Jede Desensibilisierung in dieser Richtung ist wichtig, um später zu Vermeiden, dass sie am Trail in Panik geraten. Um unseren Pferde auch nachts um unser Zelt herum die Möglichkeit zu geben grasen zu können, wurden sie an Hobbel gewöhnt. Auch das Zelt selbst ist etwas, wovor sie zunächst noch Angst hatten. Ich sah sehr bald ein, dass ich so schnell nicht in der Lage sein würde, ein Packpferd im Gelände zu führen, und so trainierte Günter das Führen von zwei Packpferden, die mit einer dünnen Schnur zusammengebunden werden. Auch für ihn eine neue Herausforderung, die ihn manchmal zum Verzweifeln brachte, wenn die Pferde einfach nicht gleichmäßig laufen wollten, und er in einem einstündigen Proberitt zehnmal absteigen musste, um die Pferde wieder aneinander zu binden. Auch ich zweifelte oft, denn auch noch so viele Reitstunden als Kind in österreichischen Reithallen haben mich nicht auf das vorbereitet, was hier von mir gefordert wird.

Auf jungen Pferden im Gelände unterwegs zu sein, ist einfach eine ganz andere Herausforderung. Noch dazu ist mein Reitpferd ein kleiner Run-away. Zweimal verbrachten wir ganze zwei Tage damit, ihn zu suchen. Doch die vielen kleinen und größeren Erfolge haben uns für alles entschädigt. So konnten wir die Pferde in den letzten Nächten in dem großen Forest Service Gebiet in der Nähe des Strohballenhauses bereits ganz frei laufen lassen. Am nächsten Morgen standen sie wieder am Tor und warteten auf ihr Futter. Günter verwendet schon lange keine Halfter mehr, um die Pferde zu holen, sie folgen ihm ganz freiwillig. Dino, der zunächst ein bisschen widerspenstig war, stellte sich als sehr zuverlässiges Packpferd heraus und Rusty kommt auf mich zugelaufen, wenn ich ihn rufe. Hat er anfangs jegliches Futter, das er nicht kannte, stur verweigert, frisst er mittlerweile auch die kleinen Leckereien aus meiner Hand.

Neben unseren vier Pferden wird auch unsere Jack Russel Hündin Leni langsam an das große Abenteuer herangeführt. Hat sie die Pferde zunächst noch wütend angeknurrt, läuft sie jetzt schon selbstsicher im Korrall herum, ohne dabei aber unachtsam zu sein, denn dass Pferdehufe gefährlich sind, hat sie bereits begriffen. Leni ist ein ungeheures Energiebündel, und das einzige was sie bremsen kann, ist die Hitze. Damit sie aber auch an heißen Tagen mithalten kann, muss auch Leni reiten lernen. Diese Lektionen haben gerade erst begonnen, doch der erste Eindruck von Leni hoch erhoben am Packsattel von Lightfoot ist ein durchaus positiver. Das Pferd hat seinen neuen Reiter ohne größeren Unmut akzeptiert und auch Leni saß ganz ruhig, wenn auch noch nicht ganz entspannt auf ihrem Thron. Früher mussten Günters Hunde immer im Vorzelt schlafen, doch wir haben Lenis Mitleiderregendem Blick gerade mal zwei Nächte stand gehalten, jetzt schläft sie nicht nur bei uns im Zelt sondern kriecht auch gerne zu uns in die Schlafsäcke!

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Jetzt könnt ihr unseren Vortrag gemütlich zuhause auf dem Sofa sehen: Die besten Bilder und Geschichten der 20-jährigen Reise, kommentiert von Günter und Sonja.

Laufzeit 2:40 h

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