Tagebuch Kanada 10. Juli 2012

Nach drei Wochen kommen wir an einer einfachen Landepiste in den Bergen vorbei. Dort stehen, mutterseelenallein, zwei blaue Fässer. Unser Proviantpaket – das erste von vieren. Sechs Monate lang hatten wir unseren Ritt durch den Yukon vorbereitet, die Pferde trainiert, Proviant verpackt und die Logistik organisiert. Unsere Reise nahm immer mehr Expeditionscharakter an. Aber kein Flug sollte extra für uns durchgeführt werden. Wie schon im letzten Jahr waren es die Jagdausstatter die ihre Jagdreviere entlang unseres Weges haben, die uns bei Logistik und Planung unterstützten.

Bis zur Landepiste waren wir einem Jagdpfad gefolgt. Es war kein guter Weg gewesen, mehr eine vage Spur, aber wenigstens war hier schon mal jemand vor uns unterwegs. „Ab hier seit ihr auf euch selbst gestellt“, hatte Terry, der Jagdausstatter, gesagt. Vor uns liegen rund dreihundert Kilometer, über die wir keinerlei Information habenaußer, dass es hier keine Wege gibt. Zumindest keine, die von Menschen angelegt wurden.

 

 

Wir folgen nun den Spuren der Elche und Karibus nach Norden und sind fasziniert von dem Netz an Wegen, das das Wild durch die undurchdringlichen Büsche und Sträucher der Tundra über tausende von Jahren angelegt hat. Dankbar folgen wir diesen Pfaden, auch wenn sie nicht immer genau dorthin führen, wohin wir wollen. Wir änderen ständig unsere Route und gehen dort, wo auch der Elch gegangen war, solange es nur halbwegs Richtung Norden führt. Zick-zack arbeiten wir uns voran. Gerne nehmen wir Umwege in Kauf, denn wenn wir keinem Wildwechsel folgen können,müssen wir uns durch zwei Meter hohe, dichte Büsche kämpfen. Die Spuren wilder Tiere sind auch ein wichtiger Anhaltspunkt, ob wir einen Sumpf durchqueren dürfen, oder nicht.

Immer wieder fragen wir uns, ob wir wohl die ersten Menschen in diesem Tal oder auf diesem namenlosen Berg sind?Wenn andere vor uns dagewesen waren, so hatten sie zumindest keine Spuren hinterlassen.
Weglos unterwegs zu sein bedeutet auch, dass einer von uns immer wieder abends auf einen Aussichtspunkte klettert, um die beste Route für den nächsten Tag zu suchen. Bei einem dieser Ausflüge entdecke ich eine Grizzlybärin mit zwei Jungen. Sie grasen am Fuße des Passes, den ich erkunden soll. Ich rufe Leni zu mir und warte, bis mich die Bärin sieht. Sie stelle sich auf die Hinterbeine, sieht mich kurz an, und klettert spielerisch leicht den steilen Hang hinauf, gefolgt von den drolligen Bärenjungen.

Auf unserer Reise durch den Yukon begegneen wir Bären, Wölfen, Elchen, Karibus und Stachelschweinen und über unseren Köpfen kreisen Weißkopfseeadler. Den ganzen Sommer lang sind Leni und die Pferde unsere einzigen Gefährten. Keine Nachrichten, kein Internet, kein Telefon, nur die Tiere und wir in der einzigartigen Wildnis des Nordens.
Vom Wetter wurden wir in diesem Sommer verwöhnt, es schneite nur einmal, Mitte Juli.

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