Suedamerika

1994-1999

Die Route: Argentinien – Chile – Bolivien – Peru – Ecuador

An der Südspitze Amerikas liegt das Nichts. Ein maßloses Nichts. Maßlos in Weite und spröder Schönheit. Dort nahm meine Reise vor 11 Jahren ihren Anfang. In Patagonien, einem Land der Extreme, geprägt von jahrtausende altem Eis, von hohen Bergspitzen und endloser Steppe. Hier, auf chilenischem Staatsgebiet lag auch der erste Höhepunkt der Reise, der „Torres del Paine“ Nationalpark, eine der schönsten Gebirgsformationen der Welt. Wie Türme ragen die über 3.000 Meter hohen, schneebedeckten Gipfel in die Höhe. Die raue Schönheit des Parks ist geprägt vom starken Wind Südchiles. So wachsen Bäume nicht senkrecht in die Höhe, sondern entwickeln sich, vom darüber jagenden Wind geformt, in der Horizontalen.

Ausgangspunkt der Reise ist Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, nahe dem sturmgepeitschten Kap Horn. Vom Verwalter der Estancia „Maria Behety“ erstand ich zwei Criollo Pferde, die ich allerdings erst selbst zureiten musste. Nach fünf Wochen Training ging es los, mit einer großen Portion Leichtsinn und Selbstvertrauen im Gepäck, startete ich Richtung Norden, hinein in ein unbekanntes Land. „Wir sind auf dem Weg nach Alaska,“ schrieb ich an diesem Abend in mein Tagebuch. Die vollkommen ebene Steppenlandschaft Südargentiniens, in der der Horizont als vage Linie in unendlicher Ferne vor dem Auge flimmert, schien deutlich machen zu wollen, wie endlos lange dieser Weg nach Alaska noch ist.
Bolivien zeigte sich zunächst von seiner rauen Seite. Die trockene, eintönige Gegend ist geprägt von der roten, ausgewaschenen Erde. Selbst die Häuser sind aus dieser Erde gebaut und scheinen dadurch mit dem Boden zu verschmelzen. Nur vereinzelte Kakteen trotzen der Trockenheit und Kälte des Altiplanos – der Hochebene Südamerikas. Die Menschen hier auf über 2.000 Metern leben von den wenigen Tieren, Schafe, Ziegen oder Esel, die sie besitzen und die von den Kindern am Wegrand gehütet werden. Bekleidet mit einem Poncho und einer Wollmütze, aber barfuss, trotzen sie der oft grimmigen Kälte.

Ab Ecuador ändert sich die Reise. Ich war des alleine Reisens schon lange überdrüssig, ab Ecuador begleitete mich Barbara Kohmanns.  Mit vier Pferden – in Wahrheit waren es fünf, doch das sollte sich erst später herausstellen - folgten wir nun dem alten Inkatrail. Diese alte Inka-Strasse führte einst über 5.000 km durch die Anden, vom heutigen Santiago de Chile bis nach Quito. Manche Wegstücke sind noch heute mit den großen quadratischen Steinen gepflastert. Wer hier wohl schon aller gereist ist? Ecuador ist mit seinen über 5.000 m hohen Vulkangipfeln, dem Amazonasregenwald, der Hochebene und der Küstenlandschaft eines der vielfältigsten Länder Südamerikas.

Das Team
Günter, Hund Falko - später Hund Lobo - und die Pferde: Rebelde, Gaucho
Ab Ecuador sind Barbara und Hündin Liesl dabei und die Pferde Samurai und Flavia.
Flavia verlässt die Truppe aber bald wieder. Es stelle sich heraus, dass sie trächtig war und Barbara ließ sie schweren Herzens auf einer Ranch zurück, damit sie dort in Ruhe ihr Fohlen zur Welt bringen konnte.