Tagebuch Kanada 18. Mai 2011

Frühlingsbeginn in Kanada
Vor wenigen Tagen habe ich den ersten Kolibri gesehen. Ein sicheres Zeichen, dass nun endlich der Frühling begonnen hat. Er stand scheinbar schwerelos in der Luft, sein metallic-rotes Gefieder glänzte im Sonnenlicht. Noch nie habe ich den Frühlingsbeginn sehnsüchtiger erwartet als in diesem Jahr. Außgerechnet der vergangene Winter verzeichnete einen Rekord-Schneefall und der Monat April war außergewöhnlich kühl, so dass Anfang Mai selbst in den Tälern noch Schnee lag.

 

Nächste Woche soll es nun endlich wieder los gehen. Vor uns liegen die nördlichen Rockys, ein Gebiet so groß wie die Schweiz, doch ohne Menschen und Strassen, wild und ungezähmt. Es ist B.C. größtes Wildnisgebiet und eines der spektakulärsten Raub-Beutetiersysteme der Welt. Aufgrund der Vielfalt großer Raubtiere, wie Grizzlybär und Puma, wird es auch die Serengeti des Nordens genannt. Kein Wunder, dass wir mit großer Spannung und Vorfreude dem Sommer in den "Northern Rockies" entgegen sehen. Dabei ist der Anblick großer Raub- und Beutetiere bereits vertraut. Fast täglich begegnen wir Elchen und Schwarzbären auf unseren Trainingsritten. Ein besonders schöner Bär grast seit einigen Tagen immer wieder auf der Wiese unterhalb der Ranch. Von uns und den Pferden nimmt er kaum Notiz. Wahrscheinlich ist er noch nicht so recht aus dem Winterschlaf aufgewacht. Wir hoffen, er bleibt auf der Weide, weit weg von den Forststrassen - denn die Frühjahrsjagdsaison hat bereits begonnen -, aber auch weit weg vom Hühnerstall.
Wir befinden uns auf der Ranch unserer Freunde Jan und Guy in Dome Creek, B.C. Hier haben unsere Pferde den langen und kalten Winter von bis zu -30 Grad Celsius verbracht während wir in dem nahe gelegenen Künstler-Dorf Wells unseren ersten kanadischen Winter mit meterhohem Schneefall und eiskalten Tagen verbrachten. Seit einigen Wochen sind wir wieder bei unseren Pferden und bereiten unseren Ritt vor. Wir stehen vor einer ganz neuen Herausforderung. Das Gebiet durch das wir reiten ist völlig unbesiedelt, von unserem Aufbruch Ende Mai bis zum Wintereinbruch in den Bergen (von den Einheimischen für Mitte September prognostiziert) werden wir wahrscheinlich keinem Menschen begegnen, und ganz sicher keine Möglichkeit zum Einkaufen haben. Daher müssen wir Versorgungspakete anlegen und in die Wildnis einfliegen lassen. Mehrere Wochen lang haben wir Gemüse über dem Holzofen dehydriert und so haltbaren und leichten Proviant für mehrere Monate angelegt.

Durch die nördlichen Rockys führen keine markierten Wege, nur einige wenige einheimische Jäger und Cowboys kennen die alten Wege, die zum Teil schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt werden. Wie bei einem Puzzle haben wir Wege und Kartenmaterial zusammengefügt zu einer interessanten aber auch herausfordernden Route durch eine Landschaft von der wir jetzt schon sicher sind, dass sie uns begeistern wird.
Sobald wir unterwegs sind, haben wir keinen Zugang mehr zu modernen Technologien. Es tut uns daher leid, doch unsere Webseite wird bis September nicht aktualisiert werden. Dann aber gibt's wieder einen Newsletter mit Geschichten und Fotos von unserem diesjährigen Sommer.  
Wir wünschen Euch einen wunderschönen Sommer!