Tagebuch Kanada 13. Oktober 2012

Wir sind unserem Ziel Alaska wieder ein Stückchen näher gekommen. In diesem Sommer hat uns unsere Reise durch die Wildnis des Yukon geführt, bis in die Goldgräberstadt Dawson City nahe der Grenze zu Alaska. 
Von Anfang an war klar, dass diese Etappe eine große Herausforderung würde, selbst für Günter. Bei unserem Start waren wir keineswegs sicher, ob wir unser Ziel rund 1.500 km nördlich überhaupt erreichen können. Als wir unsere Route durch den Yukon planten, waren Günter und ich einig: wir wollen nicht wieder so viele Flüsse durchschwimmen, wie im letzten Jahr.

 

Wir nahmen die Landkarte und zeichneten eine Route entlang der Mackenzie Mountains, an der Grenze zwischen dem Yukon und den Nordwest-Territorien. Dort wollten wir entlang reiten, dort wo die Zuflüsse des Yukon entspringen und noch kleine Bächlein sind. Schon im Winter begannen wir mit der Recherche. Wie sieht die Landschaft aus? Gibt es Wege? Wie können wir die Logistik organisieren? Vor allem aber, ist diese Route überhaupt möglich?

Neun von zehn Antworten lauteten: „Nein, unmöglich. Ein Alptraum zu Fuß, mit Pferden unmöglich! Dort findet ihr nur dichte Wälder, riesige Sümpfe und Moore und extrem steile Berge. Das ist tiefster Busch! Es liegt Schnee bis Juli und es schneit wieder ab September. Wollt ihr durch den Yukon reiten, müsst ihr dem Highway folgen!“
Das war ja nichts Neues, dass viele unsere Pläne für verrückt halten. Nicht entmutigen lassen, bei neun von zehn freundlich bedanken und bei dem einen, der meint es wäre vielleicht doch möglich, nachhaken. So lange, bis man selbst daran glaubt.
Wir haben in diesem Sommer alles erlebt, wovor man uns gewarnt hat, Sümpfe, dichten Busch, Berge und Schnee. Und trotzdem hatten wir einen wunderschönen und sehr eindrucksvollen Sommer.

 

 

Es gab einige Momente in denen wir an unserem Vorhaben zweifelten, doch wir wurden für unsere Anstrengungen auch über alle Maßen belohnt. Der Yukon gehört zu dem Wildesten, das wir erlebt haben. Die Wildnis ist unberührt und faszinierend, Seen sind glasklar, die Berge majestätisch, unbestiegen und namenlos. 70.000 Elche, 6.000 Grizzlybären aber nur 35.000 Menschen leben in einem Gebiet größer als Deutschland.

 

 

Am wichtigsten ist aber, dass wir alle – die Pferde, Leni, Günter und ich – wieder heil und gesund aus der Wildnis zurück kamen.
Seit einigen Tagen sind wir und die Pferde nun bei Freunden nördlich von Whitehorse. Hier bereiten wir uns – jeder auf seine Art - auf den langen und kalten Yukon-Winter vor. Wir bereiten uns vor, indem wir jede Menge Feuerholz sägen, die Pferde fressen sich dick und rund und Leni trainiert für den Winterschlaf.